Pott zu Prunk, Kapitel 4: How to fall in love with München

by Anna Mayr

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September. Vier Frauen auf einem aufblasbaren Einhorn treiben an mir vorbei. Ich liege auf einer Wiese an der Isar, es ist sonnenbrillenwarm. Zum Lesen nichts dabei außer einem anstrengenden Roman. Nach fünf Seiten verfalle ich mit dem Buch auf meinem Bauch in einen Dämmerschlaf. Beim Aufwachen ein leises, glühendes Sonnenbrandgefühl. Ein paar Meter entfernt von mir lag eben noch ein Mann. Er ist jetzt dabei, sich auszuziehen, um in den Fluss zu springen. So warm ist es nun auch wieder nicht.

November. Es hat Föhn. Im Wildpark gibt ein Waschbär mir High-Five. Vor dem Fuchsgehege zieht eine Frau ein Etui aus ihrer Manteltasche. Darin: Alle Zeitungsartikel, die je über die vier Füchse im Gehege geschrieben wurden, kleingefaltet, archiviert. Sie nähert sich pfeifend dem Gehege, die Füchse springen auf, rennen wie Kätzchen auf sie zu. “Haben Sie Futter dabei?”, frage ich, vorsichtig. “Neinneinnein, die darf man nicht füttern.” Sagt sie, entrüstet. “Die werden hier gut versorgt. Wir kennen uns schon lange, die wissen, wer ich bin.”

Dezember. Schwarzer Kaffee, Schokoladenhimbeerkuchen. Der Münchner Lokalteil der Süddeutschen Zeitung, inzwischen kein großes Rätsel mehr. Am Tisch gegenüber sitzt eine Dame mit grauen Haaren, sie schreibt seit einer Stunde ohne abzusetzen mit einem Füller in ein schwarzes Notizbuch.

Januar. Der Rollkoffer bleibt im Schnee stecken. Auf dem Boden, in der Luft, überall Schnee. Autos, Fahrräder, Geländer, zugedeckt. Schnee für tausend Schneemänner und dreitausend Schneeballschlachten, genug Schnee, damit alle Eltern ihre Kinder mit dem Schlitten zur Schule ziehen können. Schnee sieht so aus, wie Verliebtsein sich anfühlt, denke ich und fühle mich verdammt literarisch.

Vor lauter Schneehysterie muss ich ein bisschen weinen.

Und grinse wild wahllos Menschen an.

Sie schauen schnell verwirrt weg, denn wir sind immer noch in München.

Aber es ist mir egal.

Ich bin – zuhause.