Über Vorsätze. Oder: Goldpailletten-Glitzerkleider.

by Anna Mayr

Bizeps. Avocados essen. Vor dem Heulkrampf durchatmen, bis zehn zählen. Müll trennen. Häufiger anrufen. Fenster putzen. Brote schmieren. Freundlicher sein. Klappe halten. Weihnachtsgeschenke basteln, im September. Flüchtlinge streicheln. Weniger lästern. Weniger Facebook. Weniger überdenken. Überlegte Entscheidungen. Das Handy weglegen. Nicht darauf einlassen. Vegan essen. Weniger rauchen. Ein Volksbegehren initiieren. GEZ zahlen. Nicht zu den Leuten gehören, die mit Vorsätzen brechen.

Wie schön es ist, das alles nicht zu schaffen. Wie gut der Moment, an dem man sich gegen das bessere Verhalten entscheidet. Die Avocado auskotzen, im Bett bleiben, Scheiße fressen, aus dem dreckigen Fenster gucken und Leute auf Facebook stalken, das Herz klopfen lassen, wie es will und weinen, wenn man muss.

Ist Blei nicht giftig?

Ein Fuchs, ein Penis, ein abgefallener Arm, eine fleischfressende Pflanze.

Es ist gut, ein Vorsatz-Ich zu haben. Ein ich, das Rechnungen pünktlich zahlt und sich traut, Briefe zu öffnen. Ein integreres, sportlicheres, sympathischeres ich, zu dem man aufblicken kann, aufleben. Und das trotzdem unerreichbar bleibt, bleiben muss, denn Perfektion ist wie eins dieser hautengen, goldpaillettenbesetzten Glitzerkleider, die es vor Silvester zu kaufen gibt: Von weitem nett anzusehen, aber angezogen sieht’s lächerlich aus, öde, erzwungen.