Übers Wetter

by Anna Mayr

Der Prager April ist dreizehnmal eigenwilliger als alle Aprils, die ich bisher erlebt habe. Alle zehn Minuten lässt sich strahlender Sonnenschein von einer Hagelfront ablösen. Es stürmt, es schneit, es regnet, dann schwitze ich wieder im Wintermantel, den ich eigentlich schon nicht mehr tragen wollte. Zur Sicherheit habe ich immer einen Schirm bei mir, einen leichten Pullover, eine Mütze, einen Schal, flauschige Fäustlinge und eine große Tasche, in die ich alles hineinstopfen kann. Ich versuche, vorbereitet zu sein.

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Kalter Regen hat keine positiven Seiten oder zumindest keine, die mir ersichtlich sind. Aber das ist okay, solange man sich irgendwo unterstellen kann.

Wichtig ist nur, darauf zu achten, den Schirm wieder zu schließen. Den Mantel zu öffnen, unter dem Dach der Tramhaltestelle hervorzutreten. Sich bewusst sein, dass diese Sonnenminuten in ein paar Sekunden vorbei sein könnten, je nachdem wie schnell der Wind den nächsten Schauer heranweht.

Dies war der Wetterbericht. Und eine triefend kitschige Allegorie.